10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike, Teil 1: Die Gidim und assyrische Exorzismen

10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike, Teil 1: Die Gidim und assyrische Exorzismen

Welche Geister gab es in der Antike? Finde es heraus in der neuen Serie! In Teil 1 geht es um Totengeister und Heimsuchungen

Geistergeschichten haben die Menschheit seit Generationen in ihren Bann gezogen. Doch in der Antike handelte es sich dabei nicht um Gruselstorys, die man sich zur Unterhaltung an einem Lagerfeuer erzählte. Für die Menschen der Antike waren Geister eine reale, mächtige und oftmals tödliche Bedrohung. Sie waren nicht nur für Spuk und Heimsuchungen verantwortlich, sondern gar in der Lage, eine Person krank zu machen oder einen tödlichen Fluch weiterzugeben. Manchmal bedeutete ihre Existenz Bestrafung für die Dinge, die wir Menschen im Leben tun. Die folgende Beitragsreihe nun berichtet von 10 furchterregenden Geistergeschichten aus der Antike, die Ihnen das Blut in den Adern gefrieren lassen.

1. Die Gidim

Im alten Mesopotamien waren die Lebenden und die Toten eng miteinander verbunden. Man glaubte, dass die Sterblichkeit eines der prägendsten Merkmale der Menschen war. Jeder, der jung starb, war von den Göttern verflucht worden. Diejenigen, die gesund waren, wurden von wohlwollenden Geistern beschützt. Wenn dieser Schutz jedoch endete, bedeutete dies auch das Ende des Lebens.
Wenn ein Mensch nun starb, wurde er zu einem „Gidim“, einem Totengeist. Dieser antike Geist war eine schattenhafte Kreatur, die mitunter Freunden, der Familie und den Lieben erschien und die man dabei immer als die Person erkennen konnte, die sie im Leben gewesen war. Jedoch erschienen die Gidim niemals zufällig. Sie konnten allerdings auch von den Lebenden herbeigerufen werden.
Grabstätten in Mesopotamien waren mehr als nur ein Ort, an dem man die sterblichen Überreste für den Übergang in das Leben nach dem Tod begrub. Die Leichname wurden umsorgt, falls man sie dafür benötigte, einen Gidim zurück aus der Unterwelt zu rufen. Wir wissen heute leider nicht mehr, wie der ordnungsgemäße Ablauf eines Begräbnisses aussah, doch man geht davon aus, dass dieses je nach sozialem Rang der verstorbenen Person anders aussah. Könige und Königinnen hatten sicher längere Trauerphasen als Normalsterbliche und ihre Grabmäler wurden oftmals als „Paläste der Ruhe“ oder „Häuser der Ewigkeit“ bezeichnet.
Die Existenz der Gidim im Jenseits war laut Geister-Sagen eine trostlose und es oblag den Lebenden, sich um die Toten zu kümmern. Denn ohne Gaben der Lebenden waren die Gidim dazu verdammt, ewigen Durst zu leiden, während das Essen im Jenseits bitter und fast ungenießbar war. Einige Geistergeschichten erzählen von Gidim, die sich von nichts anderem als Staub ernähren und in einem Reich leben, welches von Königin Ereshkigal und ihrem Gemahl Nergal regiert wird.
Ein solches Leben nach dem Tode klingt nun wirklich mehr als düster und man möchte sicher nicht so enden.
Im folgenden Post wird von den Geister-Sagen der alten Assyrer erzählt, die die Lebenden heimsuchten und manchmal nur durch Exorzismen wieder vertrieben werden konnten.

2. Assyrische Exorzismen

Die Assyrer, welche im 2. Jahrtausend vor unserer Zeit im nördlichen Mesopotamien lebten, glaubten an eine Fülle von übernatürlichen und halbmenschlichen Wesen, die in den Häusern der Lebenden umhergingen. Man glaubte überdies auch, dass jeder Mensch, der nicht ordnungsgemäß begraben wurde, als Geist wiederkehren und die Lebenden heimsuchen würde. Einen unbegrabenen, unvorbereiteten Leichnam anzuschauen, ermöglichte es der Seele des/der Verstorbenen, in den Körper einer lebenden Person einzudringen. Doch auch in ihrer geisterhaften Form konnten die Verstorbenene sehr aufdringlich werden. Man glaubte, dass die Toten den Lebenden die Lebensenergie rauben würden und übte sehr merkwürdige Rituale aus, um die geisterhaften Präsenzen wieder loszuwerden.
In einigen Fällen wurden die Heimgesuchten gebadet oder der Leichnam des/der Toten, den man für die Ursache der Heimsuchung hielt, wurde standesgemäß beerdigt. In anderen Fällen wurde ein Ritual in Verbindung mit dem Gott Shamash ausgeübt. Dabei wurde der Geist vom Schamanen befragt, wieso er zurückgekehrt sei und warum er eine bestimmte Person gezielt heimsuche. Dann wurden Mehl und Hefe im Horn eines Ochsen vermischt und mit einem Trank im Namen des Gottes Shamash verrührt. Schlussendlich wurde die Mixtur in den Huf eines dunkelfarbenen Ochsen gefüllt und sollte damit den Geist zurück ins Jenseits befördern.
Doch Shamash für solch ein Ritual zu beschwören, war keine einfache Bitte. Als eine der drei Hauptgottheiten Mesopotamiens gebot er am Tage über die Sonne und in der Nacht über die Unterwelt. Man glaubte außerdem, dass er es war, der König Hammurabi die berühmten Rechtssprüche, die heute als Codex Hammurabi bekannt sind, übermittelte.
Eine weitere assyrische Sage beschrieb Geister als die Vorboten des Todes, der Zerstörung und der Tragödien. Wenn ein Geist den Lebenden erschien, würde das Haus, welches er heimsuchte, wenig später zerstört. Wenn er zu den Lebenden sprach, dann würden diejenigen, die dies hörten, bald danach ebenfalls sterben.
Im nächsten Beitrag liest du über die Geister von Dämonen und Kinderlosen im alten Babylonien.

Einsortiert in