10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike, Teil 2: Die Geister der Babylonier und Die Geistergeschichten Plinius‘ des Jüngeren

Der zweite Teil unserer Reihe „10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike“ führt uns heute in das alte Reich der Babylonier und erzählt v
3. Die Geister der Babylonier
Im „alten Babylonien glaubte man, dass Geister, den Lebenden gleich, durch die Nacht wandelten. Sie waren also keine ätherischen, körperlosen Gestalten, an die wir denken, sobald jemand den Namen „Geist“ erwähnt. Außerdem glaubten die Babylonier, dass Geister die Körper lebender Tiere besetzen konnten und Geister von Dämonen dabei die besondere Affinität hatten, die Körper von Vögeln in Besitz zu nehmen. Böse Geister besetzten wilde Hunde und Löwen, die daraufhin den Drang verspürten zu jagen – manchmal sogar Menschen.
Einer der meistgefürchteten und stärksten Geister Babyloniens war der einer Frau, die während der Geburt gestorben war und nun wahnsinnig vor Kummer dazu verdammt ist, die Nacht bis ans Ende der Zeit zu durchwandeln. Ähnlich verdammt waren auch diejenigen, die kinderlos starben, egal ob nun Mann oder Frau. Auch sie waren verflucht, durch die Dunkelheit zu wandeln und dabei ihr Leid zu klagen.
Um sicherzustellen, dass die Seelen der verstorbenen Eltern, Großeltern und anderen Verwandten ihre Ruhe finden konnten, ließen die Familien – traditionsgemäß der älteste Sohn – Essen und Trinken für die hungrigen und durstigen Geister zurück. Die kinderlosen Gespenster jedoch waren dazu gezwungen, Häuser heimzusuchen und die Straßen zu durchqueren, immer auf der Suche nach irgendetwas, um ihren unendlichen Appetit zu stillen.
Das nächtliche Babylonien war ein schreckenerregender Ort mit vielen Todesarten, die die Seele der verstorbenen Person dazu zwangen, in der Welt der Lebenden zu verweilen und leerstehende Häuser heimzusuchen, die Körper nachtaktiver Tiere zu besetzen und Jagd auf die Unglücklichen zu machen, die des Nachts unterwegs waren. Die Nachtzeit-Geister waren die Seelen jener, die in der Wüste gestorben waren und deren Überreste nicht begraben wurden, deren Leben verfrüht auf brutale Art beendet wurde, die als Gefangene exekutiert wurden oder die auf dem Schlachtfeld fielen und unbegraben der Verwesung ausgeliefert waren.
Der nächste Beitrag widmet sich den Geistergeschichten des römischen Senators Plinius des Jüngeren.
4. Die Geistergeschichten von Plinius dem Jüngeren
Plinius der Jüngere war ein römischer Senator und Sohn eines Ritters, geboren im Jahre 62 vor unserer Zeit. Er lebte während der tyrannischen Herrschaft Neros, wurde von einigen der brillantesten Köpfe des alten Rom unterrichtet und hinterließ unter seinen zahlreichen Schriften auch mehrere Geistergeschichten.
In einer Erzählung berichtet er von Curtius Rufus, einem Bediensteten eines römischen Gouverneurs in Afrika. Eines Nachts war Curtius spazieren, als ihm das geisterhafte Gesicht einer wunderschönen Frau erschien und ihm sagte, dass sie ein mächtiger Geist sei, der über ganz Afrika wache. Sie berichtete ihm von seiner Zukunft, enthüllte ihm, dass er nach Rom zurückkehren, in eine hohe Position befördert und letztendlich auf römischem Boden sterben werde. Letztlich erreichte er den vorhergesagten Ruhm und als er nach Karthago zurückkehrte, sah er den Geist erneut, bevor er eine Krankheit bekam, die zu seinem Tod führte und somit der Rest der Prophezeiung erfüllt wurde.
Dann erzählt Plinius die Geschichte eines berühmt-berüchtigten Hauses in Athen, in dem niemand leben konnte. Jede Nacht hörte man die schrecklichsten Geräusche aus dem Gebäude. Da waren rasselnde Ketten, die immer näher und näher kamen, wenn jemand an dem Haus vorbeiging und lauschte. Diejenigen, die versucht hatten, in dem Haus zu leben, wurden oft von der geisterhaften Erscheinung eines alten Mannes geweckt, der schmutzig und zerzaust aussah und mit vielen Ketten beladen war. Seine Präsenz war sogar am Tage spürbar und schon bald darauf war das Haus menschenleer und nur der Geist blieb zurück.
Doch trotzdem versuchten die Besitzer, Geld mit dem Grundstück zu verdienen. Als eines Tages der griechische Philosoph Athenodorus nach einer Bleibe suchte, mietete er das Spukhaus, obwohl er von der Geschichte des Geistes gehört hatte. Athenodorus richtete sich im Haus ein Büro ein und arbeitete die Nacht durch. Mitten in der Nacht plötzlich erfüllte das Geräusch von rasselnden Ketten das Haus. Der Geist erschien, lockte ihn und Athenodorus folgte ihm.
Der Geist führte den Philosophen, die Ketten hinter sich herziehend, durch das Haus und verschwand plötzlich. Athenodorus markierte die Stelle, an der der Geist verschwand. Am nächsten Morgen ließ er bei der Stadtverwaltung eine Ausgrabung im Haus veranlassen. Als die Männer gruben, fanden sie das Skelett eines Mannes, der offenbar schon lange tot war und in Ketten eingepackt war. Nachdem man den Leichnam angemessen begraben hatte, hörte der Spuk auf und der Geist konnte endlich seine langersehnte Ruhe finden.
Wenn du noch immer nicht genug von Geistergeschichten aus der Antike hast, dann führen wir dich im nächsten Teil wieder nach Babylonien und ins alte Rom.
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