10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike, Teil 3: Tödliche Geister und römische Manen

In diesem dritten Teil unserer Reihe über antike Geistergeschichten geht es um tödliche Geister und um die römischen Manen.
5. Tödliche Geister
Im alten Babylonien konnte das Erblicken eines Geistes regelrecht tödlich sein. Denn mesopotamische Tontafeln aus dem ersten Jahrtausend vor unserer Zeit berichteten sehr detailliert von Krankheiten und Unglück, die im Zusammenhang mit der sogenannten „Hand der Geister“ standen.
„Hand der Geister“ scheint sowohl auf die Krankheit per se als auch auf die Art und Weise hinzudeuten, wie diese „übertragen“ wurde. Die tödlichsten Krankheiten, so glaubte man, wurden von den Geistern derjenigen verbreitet, die durch Ertrinken, Selbstmord oder Mord ums Leben kamen. Wenn ein Familienmitglied auf solch eine Art und Weise starb, war dies Grund genug zur Sorge wegen der Verbindung der Blutsverwandten im Leben als auch im Tod. Oft wurden gewisse Leiden damit verbunden, wie eine Person ums Leben gekommen war. Zum Beispiel wurden diejenigen, die an Asthma oder litten oder Schwierigkeiten mit dem Atmen hatten, vom Geist eines Menschen berührt, der ertrunken war.
Das angeblich erste Anzeichen einer geisterhaften Präsenz war ein Klingeln in den Ohren. Denn Augen und Ohren wurden als verletzlichste Teile des menschlichen Körpers betrachtet. Wenn man also mit Kopfschmerzen und einem steifen Nacken aufwachte, wurde man höchstwahrscheinlich des Nachts von einem Geist besucht. Man glaubte auch, dass Geister über Träume versuchten, mit den Lebenden in Kontakt zu treten. Deshalb mussten die Träume, die von Toten handelten – ganz besonders luzide Träume – mit ordnungsgemäß vorbereiteten Elixieren und Glücksbringern bekämpft werden.
Die Rituale, um jemanden von den „Händen der Geister“ zu befreien, waren sehr intensiv und konnten bis zu 6 Tage dauern. Oft wurden Opfergaben an die Toten und den Sonnengott dargebracht. Dieser sollte die Geister davon abhalten, weiter mit den Lebenden zu interagieren. Der Körper und das Haus des Heimgesuchten wurden geheiligt und mit Ölen gereinigt, während dabei immer wieder Beschwörungen wiederholt wurden, die den Einfluss des Geistes auf den Verstand beseitigen sollten.
In ganz extremen Fällen, wenn die Symptome darauf hindeuteten, dass der Geist jemanden unnachgiebig verfolgte, konnten die Rituale auch eine ziemlich vehemente Praktik beinhalten. Man schnitt die Schläfe der betroffenen Person auf und ließ das Blut herausfließen. Dabei musste die Person sich innerhalb der geschützten Mauern eines Tempels befinden, der nach Norden ausgerichtet war.
Der nächste Beitrag führt uns ins alte Rom und zu den sogenannten Manen – den Geistern der Toten.
6. Die römischen Manen
Im römischen Reich beinhalteten die lateinischen Inschriften auf Grabsteinen oft die Worte „DIS MANIBUS“, was so viel bedeutet wie „den Totengeistern“. Man nimmt von den Manen an, dass sie bis in die Anfänge des römischen Imperiums zurückreichen. Obwohl sie in römischen Texten zahlreiche Erwähnung fanden, sind sie eher schwer zu definieren, da sich religiöse Ansichten ständig veränderten. Ursprünglich als die Geister von vergötterten Vorfahren betrachtet, sind die Manen eine Mischung aus Geistern und Göttern.
Um die Manen zu verstehen, müssen wir die modernen christlichen Ansichten beiseitelegen und die Totenverehrung unvoreingenommen betrachten. Indem man die Vorstellung eines Lebens nach dem Tod entfernt und in eine vorchristliche Welt zurückkehrt, verwandeln sich die Manen in eine Art Gott für Jedermann. Während im alten Rom die staatlichen Götter in Tempeln verehrt wurden und dies nur von staatlich genehmigten Priestern ausgeübt werden durfte, verehrte man die Manen zu Hause.
Sie waren die Geister von kürzlich verstorbenen Familienmitgliedern, die im Haus verweilten, um die lebenden Angehörigen zu beschützen und ihnen Unterstützung und Anleitung zu geben. Die Manen waren somit individuelle Geister, die im Prinzip Göttern ähnlich handelten, doch auf einer individuelleren Ebene.
Die Verehrung der Manen war im Übrigen sogar vererbbar. Denn wenn eine Person starb und ihren weltlichen Besitz an ein Kind oder eine andere Person außerhalb der Familie vererbte, dann erbte diese Person auch den Geist des/der Verstorbenen. Manchmal sogar erbte ein Gläubiger neben dem Vermögen des Schuldners auch dessen Manen. Dies verpflichtete den Gläubiger, die Manen so zu verehren, als wären sie einst sein eigen Fleisch und Blut gewesen.
Lesen Sie beim nächsten Mal von den sogenannten Banshees – den Geistern von Frauen, die den Namen der Person schrien, die als nächstes sterben würde.
Im nächsten Teil unserer Reihe erzählen wir dir von den Banshees und den Geistern Sumers.
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