10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike, Teil 4: Banshees und die Geister Sumers

10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike, Teil 4: Banshees und die Geister Sumers

Im vierten Teil der Reihe „10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike“ soll es um die Banshees, sogenannte Todesfeen gehen.

7. Aibhill und die Verehrung der Banshees

Das Wort Banshee beschwört in der keltischen Folklore das Bild einer geisterhaften Frau herauf, die den Namen desjenigen prophezeit, der als nächstes sterben wird. Doch die Banshees waren nicht immer solch schreckliche Vorboten des Unheils. Sie wurden einst sogar als Göttinnen verehrt.

Eine der bekanntesten Todesfeen ist Aibhill, ein weiblicher Geist, der den Crag Liath und das irische Königshaus Cass heimgesucht hat. Sie erschien im Jahre 1014 dem irischen Hochkönig Brian Boru und prophezeite ihm, dass er das Schlachtfeld nicht lebend verlassen würde. Gemeint war damit die entscheidende Schlacht gegen die Wikinger (Dänen) am Karfreitag des Jahres 1014, die trotz des Todes Borus und seines Sohnes siegreich für die Iren verlief.

Der Glaube an die Banshees existiert schon seit vielen Jahrhunderten und man weiß nicht genau, wann damit begonnen wurde. Was man weiß, ist, dass die Banshee Catabodva im frühen 5. Jahrhundert von den Galliern als Kriegsgöttin verehrt wurde. Und Aibhill wurde zu einer Art Königin unter den Feengeistern, die über 25 andere Banshees regierte, die den Tod der Bewohner des irischen Countys Clare vorhersagten.

In den Tagen der großen keltischen Clans glaubte man, dass jeder Klan eine eigene Banshee hatte. Eevul regierte, wie Aibhill, über einen hofähnlichen Staat an niederen Geistern und diente der königlichen Familie der O’Briens. Andere Banshees jedoch schienen eine einsamere Existenz zu führen. Die Todesfee, die die Berge von Connemara heimsuchte, trug einen hellroten Umhang und ihr Wehklagen ähnelte eher einem Singen, während die Banshee des County Mayo eine ältere Frau war, die in ein dunkles Gewand gekleidet ein lautes Wehklagen von sich gab, welches lange bevor man sie sehen konnte, erklang.

Während die heutigen Legenden von Banshees berichten, die ihre Prophezeiungen schreiend oder weinend vermitteln, hatten die Todesfeen der Antike eine andere Art, dies zu tun. Sie wurden dabei gesehen, wie sie das Blut aus der Kleidung oder von menschlichen Köpfen und Gliedmaßen vor einer Schlacht wuschen.

Im nächsten Beitrag geht es um die sumerischen Geister, die im weltberühmten „Gilgamesch-Epos“ sehr detailliert beschrieben werden.

8. Enkidu und die Geister Sumers

Als eines der ältesten bekannten und schriftlich festgehaltenen Werke menschlicher Dichtung reicht das „Gilgamesch-Epos“ bis in das Jahr 1800 vor unserer Zeit zurück. Allerdings tauchte ca. 800 Jahre später eine Fassung mit einem alternativen Ende für Gilgamesch, seinen Begleiter Enkidu und das Kapitel über die sumerische Unterwelt auf.

In der Originalfassung ist Enkidu bereits lange tot, da er die Toten so sehr beleidigt hatte, dass diese sich dazu entschieden, ihn nie wieder gehen zu lassen. In der späteren Fassung betet Gilgamesch um die Freilassung seines Freundes aus dem Jenseits, was ihm der Sonnengott schließlich gewährt. Enkidu kehrt aus der Schattenwelt zurück und berichtet von den Geistern, die ihm dort begegnet waren.

Dabei zeichnet Enkidu ein düsteres Bild der Toten, deren trostloses Dasein im Jenseits ihr Leben auf der Erde widerspiegelt. Sie leben in dunklen Häusern, die niemals verlassen werden können, dazu gezwungen, sich von Staub und Dreck zu ernähren. Zuerst weigert sich Enkidu, Gilgamesch davon zu erzählen, was er gesehen hat, aus Angst, er könne entsetzt sein. Doch Gilgamesch bleibt gelassen, obwohl er sehr enttäuscht davon ist, dass Geister keinen Sex haben.

Als Gilgamesch nach der Existenz von Geistern fragt, die im Diesseits auf eine bestimmte Art gelebt haben, wird Enkidu sehr spezifisch. Die Geister von Menschen, die 7 oder mehr Kinder hatten, leben recht gut, da ihre zahlreichen Nachkommen dafür sorgen, dass sie immer genug zu Essen und zu Trinken haben. Diejenigen mit nur 2 Kindern müssen sich von nahezu ungenießbarem Essen ernähren. Die Kinderlosen hingegen sind dazu verdammt zu hungern und allein zu existieren.

Menschen, die vor ihrem Tod extreme Verletzungen erlitten, so berichtet Enkidu weiter, müssen in Jenseits mit dem Körperzustand zum Zeitpunkt des Todes weiterleben. Der Geist eines Leprakranken beispielsweise bläht sich weiter auf und verrottet. Der Geist eines Mannes, der von einem Löwen zerfleischt wurde, lebt in Stücken weiter und der Geist eines Brandopfers brennt weiter.

Außerdem profitieren die Geister von Handlungen, die sie während ihres Lebens vollzogen haben, oder sie leiden unter ihnen. Diejenigen, die die Verpflichtungen gegenüber ihren Verwandten und Ahnen ignoriert haben, müssen in ewiger Qual wandeln, während diejenigen, die ihr Leben ihrem Gott gewidmet haben, mit der Gnade dieses Gottes belohnt werden. Enkidu berichtet auch, dass die Seelen von Totgeburten das mit Abstand beste Leben nach dem Tode führen. Da sie in kompletter Unschuld starben, erfreuen sie sich an Sirup und Ghee an goldenen und silbernen Tafeln.

Sollte es tatsächlich ein Leben im Jenseits geben, dann wäre es angesichts dieser Berichte sicher nicht falsch, sich einmal Gedanken über sein Leben und die Art, es zu führen, zu machen. Getreu dem Ursache-Wirkung-Prinzip ziehen Handlungen immer Konsequenzen nach sich.

In unserem fünften und letzten Teil der Reihe geht es das nächste Mal um die Geister der nordischen Mythologie und des keltischen Totenkultes.

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