10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike, Teil 5: Die Geister der nordischen und der keltischen Mythologie

In unserem letzten Teil der Reihe führen wir dich ein in die nordische Sagenwelt und ihre Geistergeschichten.
In unserem letzten Teil der Reihe „10 schreckenerregende Geistergeschichten aus der Antike“ führen wir dich ein in die nordische Sagenwelt und ihre Geistergeschichten, die sich im Wesentlichen von den Überlieferungen anderer Länder unterscheiden. Der letzte Beitrag handelt schließlich von Geistern des keltischen Totenkultes.
9. Die Haugbui und andere Geister nordischer Mythologie
In alter isländischer und norwegischer Folklore werden Geister im Hinblick auf ihre Form anders definiert als im Rest der Welt. Die wohl bekannteste Geisterart ist wohl der sogenannte Draugr, ein nach dem Tod weiterlebender Leichnam, der seine Grabstätte verlässt und daraufhin ruhelos umherwandelt. Eine weitere Geisterart, die ebenfalls wie der Draugr in physischer Form nach dem Tod weiterexistierte, ist der Haugbui. Doch im Gegensatz zum Draugr ist der Haugbui an seine Grabstätte gebunden. Doch wenn jemand es wagte, die Totenruhe zu stören oder gar versuchte, das Grab zu plündern, so zog er den Hass des Haugbui auf sich.
Die Haugbui werden in den großen nordischen Sagas regelmäßig erwähnt. Damit die Toten nicht als Draugr oder Haugbui zurückkehrten, wurden von vielen Menschen im Norden Vorkehrungen getroffen, dass die Toten in Frieden ruhen konnten. Zum Beispiel wurden bei Leichen die großen Zehen zusammengebunden, Nadeln in die Fußsohlen gesteckt oder geöffnete Scheren auf der Brust platziert.
Da die Begräbnisvorbereitungen zumeist in den Häusern stattfanden und man darum wusste, dass Geister nur durch die Tür wieder in ein Haus zurückkehren konnten, durch die sie gegangen waren, wurden sogenannte „Leichentüren“ gekennzeichnet, die man nach dem Hinaustragen des Leichnams sofort versiegelte und nie wieder benutzte.
Andere isländische Geister werden auf ähnliche Art beschrieben. Der Utburd war der Geist eines Säuglings, der Fepuki ein Geist, der nicht ruhen konnte und immer wieder zu dem Geld zurückkehrte, welches er in seinem Leben angesammelt hatte und die Skotta war ein boshafter, potentiell gewalttätiger, weiblicher Geist. Die Fylgja war ein weiblicher Geist, der einer bestimmten lebenden Person folgte und diese schützte. Und schließlich war Vokumadur der Name, den man Toten gab, die als erstes auf einem neugegründeten Friedhof begraben wurde. Laut Legenden und Sagen beschützt dieser Geist den Friedhof und seine zukünftigen Bewohner, während sein Körper niemals verwest.
10. Die Geister des keltischen Totenkultes
Die alten Kelten besaßen eine große Anzahl an Ritualen, die mit der Verehrung ihrer Ahnen und der Fürsorge ihrer Geister assoziiert waren. Denn die Kelten glaubten, dass die Seelen ihrer Verwandten nach dem Tode weiterhin bei ihrer Familie verweilten. Eine der frühesten Bräuche war der, die Köpfe von erschlagenen Feinden auf dem Schlachtfeld den Geistern von berühmten Kriegern und Anführern in der Familie als Opfergabe zu widmen. An Orten wie der Bretagne glaubte man, dass die Geister der Toten sich nachts um ein Feuer in der Kochstelle eines Hauses versammelten, um die Wärme, die sie im Leben kannten, wieder zu spüren.
Erntefeste waren ebenfalls eine Art, Geister zu beschwichtigen, die wütend über die anhaltende Praxis von Menschenopfern der Kelten waren. Lughnasadh – heute eines der vier großen irischen Feste – beinhaltete in der Zeit der Kelten auch die rituelle Tötung eines Menschen, dessen Opfer für den Gott des Getreides gebracht wurde. Neben der Danksagung für eine gute Ernte wurde das Fest und das Opfer auch dem Gedenken an diejenigen gewidmet, die für den anhaltenden Erfolg ihres Volkes gestorben waren. Auf diese Weise konnten die Lebenden den Hass eines wütenden Geistes vermeiden.
Andere Traditionen wie z. B. das Verbrennen des Yule-Klotzes standen und stehen eng in Verbindung mit dem Glauben, dass die Geister verstorbener Familienangehöriger sich über die Weihnachtsfeiertage um den heimischen Herd versammelten, während das Samhain-Fest (Halloween) traditionell die Zeit war, in der rastlose Geister auf der Erde wandelten.
Bei den Kelten waren außerdem nicht nur die Lebenden dafür verantwortlich, sich um die Geister der Verstorbenen zu kümmern. In Kilranelagh, im irischen County Wicklow z. B., wurden Tassen in Nischen der Gräber gestellt, immer wenn ein Kind unter 5 Jahren gestorben war. Legenden zufolge war es die Aufgabe des kindlichen Geistes, den anderen Geistern Wasser in jenen Tassen zu bringen, die die Trauernden in die Gräber gestellt hatten.
Nun hast du eine Menge alter Geistergeschichten aus Religionen, Ländern und Mythologien der ganzen Welt kennengelernt. Welche Geschichte fandest du am spannendsten?
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